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Ein Gang nach Emmaüs Forbach

Ein geistlicher Impuls von Herrn Pastoralreferent Sebastian Leinenbach
Auf einer Parkbank sitzt eine Person in Form einer weißen Figur, die einen Menschen schemenhaft darstellt.
Datum:
9. Feb. 2026
Von:
Sebastian Leinenbach

Ein Gang nach Emmaüs Forbach

„Manchmal ist es leichter, über die Grenze zu gehen, als gedacht.“ höre ich mich beim Abschlussgespräch sagen. Einen Tag habe ich als Ehrenamtlicher Helfer in der Communauté Emmaüs Forbach im Rahmen eines Exposure-Programms „Lebenswirklichkeiten“ verbracht. Meine Motivation war es, mir das Thema Wohnungslosigkeit wieder präsent zu machen und über die Grenze zu schauen, wie Menschen direkt hinter der Landesgrenze dieser Not begegnen.

Die Communauté Emmaüs ist eine solidarische Gemeinschaft innerhalb der weltweiten Emmaüs Bewegung, die 1949 von Abbé Pierre gegründet wurde, um Armut, Obdachlosigkeit und soziale Ausgrenzung zu bekämpfen. In den Gemeinschaften leben und arbeiten ehemals wohnungslose Menschen „Compagnons“ zusammen mit Freiwilligen; sie finanzieren sich eigenständig durch das Sammeln, Aufbereiten und Weiterverkaufen gebrauchter Gegenstände und verzichten bewusst auf staatliche Subventionen, um unabhängig zu bleiben.

Die Communautés sind Orte des Wohnens, der Arbeit und der Solidarität, deren Ziel es ist, Menschen zu stabilisieren, ihnen neue Perspektiven zu geben und ihnen langfristig ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.

Rückblickend bin ich beeindruckt von den Menschen, die mir begegnet sind; die mir offen und freundlich ihre Communauté zeigten. Ich bin begeistert von dem Engagement der Ehrenamtlichen und Compagnons („Gefährten“), die Kleider sortieren, die Bücher durchsehen und Möbel aufarbeiten und weiterverkaufen. Ich bin gerührt von den Erzählungen des alten Compagnon, der von den Anfängen der Gemeinschaft in Forbach schwärmt.

Dieser Tag beim Helfen in den Sortierhallen der Gemeinschaft hat mir nochmal bewusst gemacht, in welchem Überfluss Menschen in Deutschland und Frankreich leben und wie viel Müll wir produzieren. Der große Müllhaufen wird mir in Erinnerung bleiben. Gut, dass Emmaüs etwas Positives daraus macht.

Wenn ich auf diesen Tag zurückblicke, bleiben zwei Gedanken. Zum einen die Frage: Wozu sind wir Kirche? In der Pfarrei, im Pastoralen Raum, im Bistum? Zum anderen den Wert, gemeinsam das Tun zu unterbrechen und Pausen zu machen; und auch immer wieder gemeinsam zu essen. So macht es die Communauté jeden Tag. Das fördert die Gemeinschaft mit den Menschen um mich herum. Reflektiert hat es für mich auch einen tiefen spirituellen Charakter.

 

Sebastian Leinenbach
Mitglied im Leitungsteam