Den Spuren Christi folgen – mit Franziskus von Assisi

„Das Meine habe ich getan. Das Eure möge euch Christus lehren.“
Liebe Mitchristen,
am 04. Oktober feiert die katholische Kirche alljährlich den Gedenktag des großen Heiligen Franz von Assisi. In diesem Jahr ist dieser Gedenktag etwas Besonderes: 800 Jahre sind seit seinem Tod vergangen.
Im Jahr 1206 riefen ihm die Menschen in Assisi noch hinterher: „Il pazzo! Il pazzo! - der Verrückte!“ Zwanzig Jahre später, als derselbe Mann dem Sterben nahe auf einer Tragbahre in seine Heimatstadt zurückgebracht wurde, riefen die Menschen: „Il santo! Il santo! - der Heilige!
Was ist in diesen zwanzig Jahren geschehen?
Franceso Bernadone war ein junger Mann mit großen Möglichkeiten. Als Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers genoss er das Leben, liebte Feste und träumte von Ruhm und Ehre. Doch eine verlorene Schlacht, Gefangenschaft und eine schwere Zeit brachten ihn aus der Bahn. Aus dem jungen Mann, der nach Größe und Anerkennung strebte wurde ein Suchender.
Und mitten in dieser Suche begegnete ihm Gott.
Franziskus fand Antworten dort, wo er sie zunächst wohl nicht erwartet hatte: bei den Aussätzigen, den Armen und Ausgestoßenen seiner Zeit. Und er fand sie in der kleinen, verfallenen Kirche San Damiano. Dort begegnete ihm Christus, der Gekreuzigte, und gab ihm den Auftrag:
„Franziskus, baue meine Kirche wieder auf!“
Dieser Ruf veränderte sein Leben. Franziskus begann, das Evangelium nicht nur zu lesen, sondern zu leben. Er zog los, predigte, begeisterte Menschen und gewann junge Männer, die seinem Beispiel folgen wollten. Er nannte sie die „Minderbrüder“ – „fratres minores“.
Darin lag ein bewusstes Programm: Nicht höher, größer und bedeutender sein zu wollen, sondern kleiner zu werden, um Christus ähnlicher zu werden.
Franziskus entwickelte kein ausgefeiltes Lebensprogramm. Seine Richtschnur war das Evangelium. Sein Wunsch war einfach und zugleich radikal: den Spuren Jesu zu folgen.
So wurde Franziskus zu einem Spurenleser Gottes. Die Menschen, denen er begegnete, die Armen und Kranken, die Schöpfung – alles konnte für ihn zu einem Hinweis auf die Liebe Gottes werden.
Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Aktualität.
Franziskus erinnert uns daran, dass Christsein letztlich nicht zuerst bedeutet, ein Programm zu erfüllen oder auf alles eine fertige Antwort zu haben. Es geht darum, Jesus Christus nachzufolgen – Schritt für Schritt, auf dem eigenen Weg.
Am Ende seines Lebens sagte Franziskus zu seinen Brüdern: „Ich habe das Meine getan. Das Eure möge euch Christus lehren!“
Was für ein bemerkenswerter Satz! Franziskus sagt nicht: Macht es genauso wie ich. Er verweist auf Christus. Jeder Mensch hat seinen eigenen Weg, seine eigenen Fragen, seine eigenen Aufgaben und seine eigene Berufung. Vielleicht ist deshalb die entscheidende Frage für uns heute nicht: „Was würde Franziskus tun?“, sondern vielmehr:
Wo lädt Christus mich ein, ihm zu folgen?
Welche Spur möchte er mir zeigen?
Und welchen nächsten Schritt kann ich heute wagen?
Franziskus hat sein Seine getan. Nun liegt es an uns, unseren Weg zu gehen – in den Fußspuren Jesu.
Ich wünsche Euch allen eine gesegnete und gute Zeit
Diakon Horst Britz
(Nach einem Text von Sr. M. Emanuela Tieze)
